Unter dem Titel “Fremdschämen” hatte ich einen Eintrag geschrieben, der nun nachträglich für einigen Aufruhr sorgte. Es ging dabei um den Blog “Krusenstern” und dessen Verfasser Jürg Vollmer. Ich hatte vor allem bemängelt, dass auf seinem Blog die Autorschaft jeweils nicht, ähm, klar ersichtlich war, wenn es sich um Gastbeiträge handelte.
Angestossen durch “Admiral Golowko”, der in verdankenswerter Weise Krusensternsche Highlights seit geraumer Zeit protokolliert(e), entstand im Zusammenhang mit einer Preisverleihung eine neue Diskussion. Ergänzt durch Heribert Schindler, der sich als profunder Kenner der “Krudologie” erweist. Dieser Gedankenaustausch lässt sich nun in epischer Breite (und Länge :) bei “Paperholic” nachlesen.
Und ich habe ihn vorsichtshalber archiviert.
Hier mein persönliches Fazit:
Dazu muss ich allerdings noch kurz ausholen, damit das Folgende entsprechend gewürdigt werden kann.
Jürg “Ich stehe mit meinem guten Namen für jedes Wort, das ich geschrieben habe und noch schreiben werde” Vollmer legt Wert darauf, dass er als “ehemaliger Journalist” nun “Kommunikationschef” sei. Und Nachstehendes scheint ihm sehr wichtig zu sein:
“Meine Frau und mein Arbeitgeber dürfen wissen, dass ich hinter Krusenstern stehe. Sie sind zusammen mit mir stolz auf Krusenstern und unterstützen mich mit allen Kräften.”
Sein Arbeitgeber ist laut seinem öffentlichen CV, auf das er immer wieder gerne mal hinweist, die “Schweizerische Blindenbibliothek SBS”. (Meine Leser mögen sich bitte jegliche Assoziationen verkneifen – dies wäre unangebracht und geschmacklos!)
Nun aber zurück zur Zusammenfassung:
Jürg Vollmer hat viel geschrieben. (Matthäus 12,34-35: “Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.” Eine kommunizierende Röhre quasi.) – Über mehrere Tage hinweg entstand so ein Psychogramm, das zu würdigen sich mir aus Pietät verbietet.
Dabei hat er es nicht unterlassen, der Meister der Kommunikation, voll auf den Mann zu spielen. Ungezählte Male tituliert er mich als “anonymen Schmierfinken”. Manchmal kommen dazu “hirn- und haltlose Verleumdungen” oder “bösartige Verleumdungen”, die allerdings “kreuzdumm” sind und von einem “von Neid zerfressenen Verlierertyp” stammen. Auch Ehefrau und Arbeitgeber sollen mitbekommen, “was für miese Spiele” ich im Internet “unter dem Deckmantel der Anonymität” treibe, “dieser anonyme Schmierfink, bösartige Verleumder und himmeltraurige Verlierertyp”. Alles sei “im Schutze der Anonymität erstunken und erlogen” worden: “Nichts als bösartige Verleumdungen, dumme Unterstellungen und miese Lügen”. Hier fände “eine widerwärtige Hetzjagd gegen einen unbescholtenen Blogger statt”, durch einen “anonymen Brandstifter” und “anonymen Charakterlumpen”.
Argumente sind ihm eher fremd, dem grossen Kommunikator. Aber einmal rafft er sich doch dazu auf, sachlich zu werden, und er lässt mich unter anderem wissen:
Der Weblog heisst nun mal Krusenstern, weshalb die Beiträge der Gast-Autoren von der Weblog-Software Wordpress automatisch als “Publiziert von Krusenstern” gekennzeichnet werden.
Da kann ich ein Grinsen nicht unterdrücken. Jaja, die Software sei schuld, sagt der Verfasser des “Weblog-Handbuchs”.
Und gleich danach hat er das Thema schon wieder verfehlt:
Wenn heute (5. Juli 2008) zum Beispiel das “Magazin” des Tages-Anzeigers eine Reportage mit dem Titel “Wir sind Ihr” publiziert, die gestern schon im “Magazin” der Süddeutschen Zeitung zu lesen war – wird dies logischerweise nirgends erwähnt. Wieso auch? Wie viele Leser (ausser mir) sind schon Abonnenten von Tages-Anzeiger und Süddeutsche Zeitung? Wie viele Leser von Krusenstern in Deutschland, Österreich, Russland, Belarus und in der Ukraine sind schon Abonnenten der NZZ?
Das Beispiel taugt trotzdem: Nach Vollmerscher Praxis stünde nämlich nach dem Vorspann: “Publiziert vom Magazin des Tages-Anzeigers”.
Steht so aber nicht da. “Wieso auch?” – Der Durchschnittsleser weiss ja, was er gerade in der Hand hält. Notfalls kann er nachgucken und stellt dann fest: Aha, ich lese “Das Magazin”! Daraus folgert er dann messerscharf, dass das Gelesene, aber auch das Überlesene von eben diesem “Magazin” publiziert worden ist.
Was allerdings dasteht, ist der Name des Autors.
Für Herrn Vollmer nochmals langsam und zum Mitmeisseln: Der Na-me des Au-tors!
Allein, bei Krusenstern gilt eine andere Logik.
Bei einem Normalblogger würde ein kleiner Hinweis in den Kommentaren genügen, er würde sich für das Missverständnis entschuldigen und das ganze in Zukunft anders handhaben.
Handelt es sich dabei aber um einen “ehemaligen Journalisten und Kommunikationschef”, bleiben solche Hinweise fruchtlos. Das Missverständnis ist offenbar gewollt.
Vielleicht war dies damit gemeint, in der Einleitung zu seinem “Weblog-Handbuch”:
Ein Weblog ist ein bisschen wie die Schwerkraft, erklärte mal ein Internet-Pionier: Es gibt Tricks, mit denen man die Schwerkraft überlisten kann, um zu fliegen - aber man muss wirklich alles richtig machen!
*Jürg Vollmer geht von der irrigen Annahme aus, ich, der ich hier unter meinem Kürzel “ajku” schreibe, sei anonym. – Kann er ja glauben, das ist soweit okay, das zeigt halt seine Ignoranz in Sachen Web. Er meint aber zugleich, damit sei ich Freiwild und er könne auf mich eindreschen, wie er wolle. Und die Gelegenheit nutzte er nun weidlich. Ja, da zeigt er Charakter, der höfliche, besonnene Jürg Vollmer – alles Fassade! Schade, Herr Kommunikationschef! *
Update, um das ein für allemal zu klären:
Ich lösche grundsätzlich zwei Arten von Kommentaren:
Einerseits – nebst Spam – Kommentare, die Beschimpfungen, Rassismus etc. enthalten.
Andererseits jene strunzdummen Kommentare, die sinngemäß so beginnen: “Sie werden zwar nicht den Mut aufbringen, diesen Kommentar zu veröffentlichen, …”
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