Na ja, AZ …
Tuesday, March 11th, 2008Strassenverkehrsamt im Kreuzfeuer schwerer Anschuldigungen
Muss ich das jetzt erklären?
Der SCB-Trainer spricht fahrlässig
Das auch?
Strassenverkehrsamt im Kreuzfeuer schwerer Anschuldigungen
Muss ich das jetzt erklären?
Der SCB-Trainer spricht fahrlässig
Das auch?
Es gab mal eine Zeit, da sprach man von Elektronengehirnen. Das war ungefähr damals, als Daniel Düsentrieb seine ersten Patente anmeldete.
Die AZ fühlt sich dieser Zeit verbunden:
«Stromhirn regelt den Ausgleich».1
Und zwar handelt es sich dabei um — wie könnte es auch anders sein — ein «gigantisches», das «im Bruchteil jeder Sekunde stimmen» muss. Das Stromhirn.
In derselben Ausgabe, in Kultur & Gesellschaft, titelt Stammhirn:
«Der Che Guevara des Blockbusters»
Mal abgesehen davon, dass hier ein Plural oder ein Sammelbegriff hingehörte — wer als Nicht-AZ-Leser errät, wer damit gemeint ist, erhält als Preis die nur in Härtefällen verliehene Goldene Cellophanrolle.
(Dessen Freunde aber werden ihn zukünftig meiden und als «AZ-Versteher” beschimpfen.)
“Gewaltspirale auf dem Höhepunkt” titelte die “Aargauer Zeitung”1. Diese Aussage ist aus zwei Gründen sinnfrei.
Einerseits ist aus dem Artikel keineswegs herauszulesen, dass die Gewaltkriminalität in diesem Jahr zurückgehen wird, oder zumindest nicht weiter zunehmen wird. Wie könnte man auch! — Glaskugel eben, Lesen im Kaffeesatz. Und es ist denn auch im Text korrekt die Rede davon, dass die Gewaltkriminalität 2007 “den höchsten je erfassten Wert erreicht” habe.
(Vielleicht war ursprünglich die logischere Variante “auf einem Höhepunkt” vorgesehen, fand dann aber nicht Platz in der Titelzeile.)
Andererseits ist es so oder so eine Nullaussage, weil nun mal eine Eigenschaft der Spirale darin besteht, immer weiter anzusteigen, so dass ein Jetztpunkt immer auch der (bisherige) Höhepunkt ist. (Ja, es gibt auch Abwärtsspiralen.)
Die Gewaltspirale kann weiter drehen oder ihr Ende erreichen. Ob eine Spirale allerdings “durchbrochen werden kann”, scheint mir fraglich, hingegen kann sie zur Verhütung eingesetzt werden und damit zur Eindämmung der Kriminalität …
Zum Schluss noch ein Schmankerl aus der heutigen Ausgabe, 1. Seite Sportteil:
“Jakupovic hält den GC-Sieg fest”
“… er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.”2
Update
Achtung, Wiederholungstäter:
“Andi Merz hält den Sieg fest”3
(Wollte ich nur kurz fest halten.)
Elke Bodderas ist Wissenschaftsredaktorin bei “Welt online”. Ihr Artikel “Vom Schicksal, eine große Schwester zu haben” muss von derartiger Qualität sein, dass ihn die AZ gleich an prominenter Stelle nachdruckte, ihm sogar eine Doppelseite1 einräumte.
Um was geht es in diesem Report? — Um etwas, das wir schon immer irgendwie geahnt haben, aber bisher noch nie auszusprechen wagten: Erstgeborene erleben eine andere Sozialisierung als beispielsweise Zweitgeborene. Oder gar die Jüngsten.
Stichworte: “Ein norwegisches Forscherteam bewies, dass die erstgeborenen Kinder geistig wendiger sind als die übrigen.” — “Meist sind die Erstgeborenen erfolgreicher als ihre Geschwister …” — Diese Studie “kam vor wenigen Wochen ans Licht”.
Immerhin schwant der Autorin, dass die statistisch nachgewiesenen 3,4 IQ-Punkte zwischen Erst- und Drittgeborenen auch nicht unbedingt umwerfend sind. Sie stellt zwar die naheliegende Frage nicht: Ob nämlich dieses Ergebnis nicht eher etwas über den Test als über die Probanden aussage. Auch findet sie den “Tutor-Effekt” in diesem Zusammenhang nicht erwähnenswert. Und das wichtigste Ergebnis unterschlägt sie gar: Ein vorgeburtlicher Einfluss im Mutterleib ist nicht nachzuweisen.
Dafür relativiert sie alles. Sehr, aber fraglich. Vieles sowohl als auch. Manches mehr oder weniger. Zwar, aber dennoch nicht. Grund, aber nicht ausreichend. Und die beste Nachricht, wer hätte das gedacht: “Millionen Menschen wissen, wovon die Rede ist.” Nämlich von dem, “was Eltern schon immer wussten”. Ob sie sich dabei einschließt, ist nicht überliefert.
Die Wissenschaftsjournalistin fragt: “… wie fühlt es sich an als jüngster Benjamin?” Und wir vermuten sofort, dieser fühle sich noch verlorener als der zweitjüngste Benjamin, wenn der älteste Bruder “in die Haut des familiären Schutzpatrons” schlüpft, “wie sonst die Mafia”. Aber wenigstens schützt dieser Umstand vor “zerschürften Kleidern”. Auch in Sachen “neurotische Schrammen” kommt er besser weg, entwickelt gar “ein atemberaubend präzises Gespür für die Neurosen der Eltern”.
Aber irgendwie hat die Autorin das Ganze dann doch nicht so richtig kapiert, folgert sie doch: “Offenbar lässt es sich an den geistigen Fähigkeiten ablesen, ob ein Mensch als ältestes Kind geboren wird …” Mal abgesehen vom Tempus: So ‘rum funktioniert die Chose natürlich nicht.
Es überrascht deshalb nicht, dass sie eine weitere Studie zitiert, die nur Sinn macht, weil bekanntlich alle CEOs aus einer klassischen 3-Kind-Famile stammen …
Das heitere Namedropping ist garniert mit Kurzporträts “berühmter Geschwister”, die alles und das Gegenteil beweisen. Aber so besteht doch wieder mal die Gelegenheit, die Hilton Sisters in gebührender Größe abzubilden. Und noch größer, gefühlte zwei Quadratmeter: Herr Ratzinger mit seinem (notabene älteren) Bruder.
Alles in allem ein Nullsummenspiel — aber gut, dass wir darüber gesprochen haben!
Es drängt sich natürlich die Frage auf, weshalb überhaupt die AZ solche Artikel zukaufen muss. Das könnte sie mit eigenen Kräften doch genauso kompetent produzieren.
«»
PS: Vor sieben Monaten bereits berichtete ein Teil der Presse ausführlich über diese Studie, darunter NZZ2 und SPIEGEL3. Soviel zur Aktualität.
PPS: Es wurden nur Männer getestet4.
Man sieht förmlich den Schalk1 im Nacken von François Schmid-Bechtel. Gleich wird man losplatzen vor Lachen und sich kaum mehr einbringen können. Uiuiui, dieser Anja Müller hat er es aber gegeben! ROTFLASTC!2
So ungefähr mag sich Herr Schmid-Bechtel die Reaktion auf seine Kolumne ausgemalt haben. Schließlich befindet er sich in bester Tradition helvetischen Sauglattismus’. Und der geht bei ihm so:
Er erinnert an das Zustandekommen einer Paarbeziehung3 zwischen einem nicht unbekannten Schweizer Fußballer und einer Frau, von der er als erstes behauptet, dass sie “24 Stunden am Tag die Zauberformel 90-60-90 zu entschlüsseln versucht.” Was will uns Herr Schmid-Bechtel damit sagen? Dass Anja Müller ihre Körpermaße nicht kennt? Dass sie dabei an die schweizerische Innenpolitik denkt? Ist letztere aufschlüsselbar? Oder gar sexy? — Fragen über Fragen, die er aber, Cleverle!, nicht beantwortet. Dafür setzt er eine Vermutung in die Welt: “… vielleicht hat sie die Zeitungen gegessen statt gelesen, weil Papier kalorienarm sein soll.”
Statt atemlos der Pointe (”Witz, du bist umzingelt!”) hinterherzurennen oder gar die Widersprüche in der Bechtelschen “Satire” aufzuzeigen, begnüge ich mich mit folgendem Hinweis:
Da anzunehmen ist, dass Herr Schmid-Bechtel nicht eine Jugendfoto von sich eingestellt hat sondern ein einigermaßen zeitnahes Konterfei, ist davon auszugehen, dass er jener Generation angehört, die sich über die Bedeutungsunterschiede im Zusammenhang mit der Anrede Frau/Fräulein sehr wohl im klaren ist. Wenn er nun Frau Müller mit Fräulein betitelt, will er damit etwas andeuten. Und er betont damit sicherlich nicht den Zustand des Unverheiratetseins.
Man nennt das gemeinhin(sic!) Infamie.
Soviel zu den ersten vierzehn Zeilen.4
Spätestens seit Montesquieu ist die Gewaltentrennung selbstverständlicher Bestandteil jeder Demokratie. Und die drei Gewalten (Legislative, Exekutive und Judikative) bilden zusammen was, liebe “Aargauer Zeitung”? Genau, die Staatsgewalt!1 Singular. Es gibt nur eine.
Wohl wird beispielsweise die Judikative oft III. Gewalt genannt, sie ist aber keineswegs Staatsgewalt — dieser Begriff ist bereits vergeben — sondern eine Gewalt im Staate.
Formulierungen wie “Rauf mit den Löhnen bei den Staatsgewalten” oder “Der Grosse Rat gönnte allen drei Staatsgewalten eine Aufbesserung des Lohnes”2 sind auch aus einem weiteren Grund so ziemlich sinnbefreit: Die Staatsgewalt kann man nicht entlöhnen, höchstens diejenigen, die sie ausüben.
Soviel zur Vierten Gewalt (wie sich die Presse gerne nennt)!